Trennlinie
Die Brandenburgische Straßenfußball-EM
Vom 24.-26. Juni 2008 kicken Brandenburger SchülerInnen für den Frieden
Es ist ein heißer Sommermorgen, als sich 200 Schüler aus insgesamt 24 brandenburgischen und drei polnischen Schulen am Wittenberger Hafengelände versammeln. Sie sind aufgeregt, und haben in den letzten Monaten viel trainiert. Jetzt können sie zeigen, was sie drauf haben bei der brandenburgischen Schul-EM. Nicht nur beim Fußballspielen. Auch in punkto Fairness, Konfliktmanagement und integrativen Verhaltens. Es spielen kleine gemischte Teams der verschiedenen Schulen gegeneinander. Jeweils drei Jungen und drei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren rennen nach dem Ball. Die Tore zählen erst, wenn mindestens eines davon ein Mädchen geschossen hat. Neben den Toren zählen auch Fairness und die Einhaltung zusätzlicher Regeln, welche die SchülerInnen vor jedem Spiel miteinander neu verhandeln. Es wird ohne Schiedsrichter gespielt, der Spielverlauf wird mit Teamern gemeinsam diskutiert – etwas älteren Jugendlichen, die hierzu eine Mediationsausbildung erhalten haben.
In der Straßenfußball-EM, die parallel zur Fußball-Europameisterschaft von der brandenburgischen Sportjugend gemeinsam mit dem Weltfriedensdienst und Brot für die Welt organisiert wurde, spielen Jugendliche nach besonderen Regeln Fußball. Begründet wurde die Idee des Straßenfußballs als eine Methode der Konfliktprävention und -bearbeitung in Kolumbien durch die Organisation futbol por la paz. Dort ist sie noch heute sehr aktiv, z.B. im gemeinsamen Fußballspiel zwischen Guerillas und Paramilitärs, welche für diese kurze Zeit des gemeinsamen Spielens ihre Waffen beiseitelegen.
Hier in Brandenburg müssen keine Waffen am Spielfeld gelassen werden, hier heißt die Methode, welche direkt aus Kolumbien adaptiert wurde, nicht Fußball für den Frieden, sondern Straßenfußball für Toleranz. Die Inhalte und Ziele sind aber die gleichen: Jugendlichen spielerisch Lerninhalte zu eröffnen wie Konfliktmanagement, Zivilcourage, interkulturelles Lernen, Fairness und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Es ist schon fast Mittag, als die ersten Teams nach der Vorrunde ausscheiden. Sie sind beinahe froh darum, es ist so heiß, dass das Spielen anstrengt, auch wenn kein Spiel länger als zehn Minuten dauert. Und so haben die SchülerInnen Zeit, die anderen Angebote wahrzunehmen: Weltfriedensdienst und Brot für die Welt bieten Workshops und Lerneinheiten zum Globalen Lernen an. Das Fußballspielen soll so an seinen Ursprung erinnern: das Lernen vom Süden. Die Jugendlichen können Filme zum fairen Handel ansehen, sich damit beschäftigen, wie Kinder in Burkina Faso leben und warum diese Fußball spielen, sie können ein entwicklungspolitisches Quiz machen oder sich informieren über die Gründe der Entstehung des futbol por la paz in Kolumbien. Schon der Abend zuvor, der von der ghanaischen Band Adessa eingeleitet wurde, stand ganz im Zeichen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit.
Das Bildungsprojekt peaceXchange des WFD konnte mit der EM besonders gut an die Workshops anknüpfen, die im Rahmen von kick4peace an eben jenen brandenburgischen Schulen zur Vorbereitung stattfanden. Der Weltfriedensdienst setzte mit den Workshops eine Tradition der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit an Schulen fort, welche direkt von Menschen aus den Projekten im Süden gestaltet wird und die SchülerInnen besonders durch ihre Unmittelbarkeit begeistert.
Es ist später Nachmittag, als die EM zu Ende geht. Gewonnen hat die Grundschule Brück, Fair-Play-Sieger wird die Europa-Schule in Schildow, die einen vom WFD gestifteten fair gehandelten Fußball mit den Unterschriften der deutschen Fußballweltmeisterinnen bekommt. Aber so wichtig ist das Gewinnen gar nicht am Hafen von Wittenberge. Viel wichtiger ist das gemeinsame Erlebnis, das neue Wir-Gefühl, der Austausch auch mit den polnischen Schulen und die neuen Bilder in den Köpfen, die entstehen konnten: Bilder über einen fairen Umgang miteinander in Brandenburg, die Erkenntnis, wie gut Mädchen Fußball spielen können, aber auch was wir in punkto Konfliktmanagement und gesellschaftlichen Engagements von Ländern des Südens lernen können.