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...und wie läuft's bei euch so?

Häufig dreht man sich bei der Suche nach der Lösung von Konflikten im Kreis und weiß nicht weiter. Gerade in solchen Situationen ist es wichtig zu gucken, wie andere Leute in derselben Situation handeln würden. Manchmal reicht schon ein Gespräch mit einem Freund oder einer Freundin. Es ist aber auch gut zu wissen, wie in anderen Ländern und Kulturen mit bestimmten Problemen umgegangen wird. Dadurch kommt man auf neue Ideen, und auf einmal ist die Lösung gar nicht mehr weit. Bist auch du interessiert am Blick über den Tellerrand? Hier stellen wir dir zwei Projekte aus Brasilien und Kenia vor.
Brasilien: Das Theater der Unterdrückten (Forumtheater)

Das Theater der Unterdrückten wurde von Augusto Boal in Brasilien gegründet. Es ist ein System von Übungen, Spielen und Techniken und basiert auf dem Gedanken, dass jeder Mensch von Natur aus Theater in sich trägt und dieses nur „hervorlocken“ muss. Bei einer Aufführung des Theaters der Unterdrückten kommt nur durch die Zusammenarbeit von Schauspielern und Zuschauern das Stück zustande. Die Situation auf der Bühne wird durch alle Anwesenden gestaltet. Probleme, die auf der Bühne auftreten, werden so gemeinsam gelöst.

Das Theater der Unterdrückten basiert auf dem Prinzip, dass jede menschliche Beziehung dialogischer Natur sein sollte: zwischen Männern und Frauen, zwischen Familien, Gruppen und Nationen. In der Realität tendieren alle Dialoge dazu, sich in Monologe zu verwandeln, was zur Beziehung Unterdrücker — Unterdrückter führt. Das Hauptziel des Theater der Unterdrückten ist deshalb die Wiederherstellung des Dialogs unter den Menschen.

Flávio Santos, der den Theaterworkshop play4peace leitet, arbeitet in Brasilien und weltweit mit Jugendlichen nach der Methode des Forumtheaters.

Hier ein Zitat nach Augusto Boal, dem Gründer des Forumtheaters
(Rio de Janeiro 2004):

„Das Theater der Unterdrückten ist ein System von Spielen, Übungen und Techniken, das zum Ziel hat, in unterdrückten Menschen die Sprache des Theaters, welche die wichtigste menschliche Sprache ist, zu entwickeln. Diese Form des Theaters soll von, über und für die Unterdrückten gespielt werden, um ihnen zu helfen, gegen die sie betreffende Unterdrückung zu kämpfen, und die Gesellschaft zu verändern, die solche Zwänge zulässt. Das Wort „Unterdrückte“ ist zu verstehen als eine Situation, in der ein Mensch das Recht verloren hat, seinen Willen und seine Bedürfnisse auszudrücken, und reduziert wird auf die Rolle des passiven Zuhörers in einem Monolog (dem Monolog des Unterdrückers). Das Theater der Unterdrückten ist ein Werkzeug, um gegen jegliche Form von Klassenunterdrückung, Rassismus, Sexismus und Diskriminierung vorzugehen. Es ist ein Instrument konkreten sozialen Wandels.“

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Kenia: Das Amani People's Theatre
Amani ist Swahili und bedeutet Frieden. Die Gründung des Theaters fiel in die Zeit der Wahlen 1992, in deren Folge die kenianische Gesellschaft durch politisch motivierte Gewalt zerfiel, tausende Menschen vertrieben, getötet und Familien auseinandergerissen wurden. Es wurden vor allem Jugendliche rekrutiert und zum Morden bewaffnet. Die nach außen als „ethnische Spannungen“ titulierte Gewalt hinterließ eine traumatisierte Gesellschaft.

Das Amani Peoples Theatre (APT) ist eine Initiative junger Friedensaktivisten. Ihr Ziel war es, mit den immer zahlreicheren Flüchtlingen in Kenia und besonders den perspektivlosen und gewaltbereiten Jugendlichen künstlerisch zu arbeiten. Schnell wurde deutlich, dass Theaterspielen am besten geeignet ist, um junge und auch ältere Leute zu erreichen, sie in den Friedensprozess zu integrieren und gemeinsam ein friedliches und gewaltfreies Miteinander zu propagieren.

Die öffentliche Berichterstattung und auch die Aufarbeitung der blutigen Konflikte waren bisher ausschließlich von westlich adaptierten Kommunikationsformen geprägt, also von Printmedien und Fernsehen. Der größte Teil der Bevölkerung wurde so nicht erreicht. Ziel der Friedensaktivisten war es, ein System zu entwickeln, das die lokalen, tradierten Kommunikationsmuster integriert. Traditionell bezieht in Kenia ein öffentlicher Diskurs jedes Individuum als „ein Teilnehmendes“ mit ein, im Gegensatz zu der Ansprache des „passiven Subjekts“ westlicher Medien. Eines der wichtigsten Grundsätze des APT ist daher auch der Respekt für den Ausdruck eines jeden Einzelnen.

Die von APT genutzten Theaterformen greifen traditionelle afrikanische Elemente der Konfliktlösung auf: die gemeinsame Diskussion, das Ritual, den Gesang und das partizipative Erzählen, in dem Probleme verarbeitet werden. Aber auch die Theorien der brasilianischen Pädagogen Augusto Boal und Paulo Freire haben großen Einfluss auf die Arbeit der Aktivisten. Gleichzeitig bleibt die Methode des Spiels immer offen und wandelbar. Je nach Hintergrund der Zielgruppe – ob ältere Bäuerinnen oder Straßenkinder – kann sie adaptiert, von ihnen selbst angepasst und für ihre Zwecke weiterentwickelt werden.

Derzeit sind etwa 20 Theaterpädagogen  in verschiedenen Gemeinden Kenias mit Themen wie Konfliktlösung, Menschenrechte, aber auch Landrecht und Gesundheitsversorgung befasst. Die mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen entwickelten Stücke werden jeweils vor größerem Publikum aufgeführt. Sie haben meist ein offenes Ende, das gemeinsam mit dem Publikum erarbeitet und diskutiert wird. Besonders junge Menschen, aber auch Alte und ganze Dorfgemeinschaften arbeiten nun schon seit Jahren mit dem Amani Peoples Theatre. Sie alle werden zu Multiplikatoren für den Frieden. Mit dem Wort Amani wird in Kenia heute nicht mehr nur der Frieden, sondern auch eine gemeinschaftliche Kreativität und Miteinander assoziiert

Awino Okech, die Leiterin des Theaterworkshops play4peace im Oktober 2006, ist Schauspielerin und arbeitet seit sieben Jahren am Amani People´s Theatre (APT) in Nairobi. Das APT bietet übrigens auch sehr interessante Praktika an!


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